Veranstaltungen rund um China



In Chinas düsteren Hinterhöfen

Ein bisschen wie Tarantinos Pulp Fiction, nur gezeichnet. Und genau gleich wie es Pulp Fiction in den Anfängen tat, sorgt auch der Animationsfilm «Have a Nice Day» in gewissen Kreisen für rote Köpfe, wurde der Independentfilm doch in China und Frankreich zensiert. «Have a Nice Day» ist das Werk des chinesischen Künstlers Liu Jian, welcher seine schwarze Komödie in Eigenregie schrieb und über drei Jahre lang alleine daran zeichnete.

«Ao je le» so der Originaltitel von Jians Animationsfilm, spielt im Randbezirk einer südchinesischen Grossstadt. Baustellenfahrer Xiao Zhang knöpft dem Kurier des lokalen Mafiabosses Onkel Liu eine Tasche ab, welche eine Million Yuan enthält, also rund 150’000 Franken. Mit dem Geld will Zhang seiner Verlobten eine Schönheitsoperation in Südkorea ermöglichen. Als der junge Mann in einer Imbissbude seine Nudelsuppe mit einem grossen Schein bezahlt, wird ein windiger Kerl mit selbstgebauter Röntgenbrille auf ihn und seine Tasche aufmerksam. Derweilen ist auch die Cousine von Zhangs Verlobter unterwegs Richtung Geldtasche, sie und ihr Freund träumen davon, fernab der Zivilisation ein Arbeiter- und Bauernleben nach maoistischem Vorbild zu führen. Und dann ist da auch noch Onkel Liu. Dieser ist zwar gerade damit beschäftigt, einen befreundeten Maler zu foltern, den Diebstahl seiner Geldtasche kann der Mafiosi aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weswegen er einen Auftragskiller auf den Fall ansetzt. Was folgt sind Irrungen, Wirrungen, Zufälle, Stromschläge, blutige Schlägereien und ein folgenschwerer Autounfall.

Liu Jian lässt in «Have a Nice Day» eine Geldtasche zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft hin- und herwandern und offenbart dabei jeweils deren ganz persönliche Wünsche, Sehnsüchte und Abgründe. In mehrheitlich trüben Farben – der Himmel ist stets grau und die Hinterhöfe duster – zeigt Jian die Kehrseite eines urbanen Chinas, welches durch den Einzug des kapitalistischen Systems in den Grundfesten erschüttert wurden. Dank ruhigem Erzähltempo wird den ästhetischen, gemäldeartig wirkenden Bildern viel Raum gelassen. Und dank knorrigen Charakteren, verschrobenem Humor und der Liebe zum gezeichneten Detail wird «Have a Nice Day» zum durchaus vergnüglichen Neo-Noir-Animations-Abenteuer, an welchem auch Grossmeister Tarantino seine Freude haben dürfte.

Liu Jians «Have a Nice Day» läuft ab morgen 14. Dezember im Kino Rex in Bern

Quelle: Bund, Gisela Feuz am Mittwoch den 13. Dezember 2017

Liu Jian
Studierte chinesische Landschaftsmalerei an der Nanjing University of the Arts und schloss diese Ausbildung 1993 ab. In seiner künstlerischen Arbeit greift er auf eine Reihe unterschiedlicher Medien und ästhetischer Ansätze zurück. Seine Werke wurden auf großen chinesischen und internationalen Ausstellungen präsentiert. 1995 begann er im Bereich Animation zu arbeiten; 2007 gründete er das Animationsstudio Le-joy. Sein erster animierter Langfilm Piercing I feierte beim Holland Animation Film Festival seine Uraufführung und wurde auf Filmfestivals in Asien und Europa mit zahlreichen Preisen bedacht.




Auf der Suche nach dem Sohn: Mit dem einfühlsamen Film «Voyage en Chine» schuf Zoltán Mayer das Porträt einer Mutter, die auf dem Weg zu ihrem toten Sohn eine fremde Welt und sich selbst neu und besser kennenlernt.e,

Liliane, eine französische Krankenschwester um die Fünfzig, die mit ihrem Mann ein ereignisloses Leben führt, reist zum ersten Mal in ihrem Leben nach China. Der Grund ist der Tod ihres Sohnes Christoph, der sich im fernen Land ein Leben aufgebaut und es bei einem Unfall verloren hat. Nach einem ersten Kulturschock lernt sie über die ehemalige Freundin des Sohnes und weitere Menschen seiner Umgebung von diesem neue und unbekannte Seiten kennen. Gleichzeitig taucht sie in eine fremde Welt ein und beginnt, sich intensiv mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen.

Mit wenig viel gemacht

Der Franzose Zoltán Mayer war Kameramann von TV-Serien und Fotograf für die «New York Times». «Voyage en Chine» ist sein erster Film als Regisseur. Er drehte ihn an den Originalschauplätzen, in Frankreich bei Vesoul, in China um Sichuan. Für die Hauptrolle verpflichtete er die belgische Schauspielerin Yolande Moreau, die bei uns mit «Le fabuleux destin d'Amélie Poulain» und «» bekannt wurde. Die Rolle von Christophs Freundin Danjie spielte Qu Jing Jing, eine in China bekannte Filmschauspielerin. Beide lösten ihre Aufgabe verschieden: Liliane mit wenigen mimischen Reaktionen, wodurch sie sich dem Publikum zur Projektion eigener Emotionen anbietet; Danjie mit einem reichen und differenzierten Spiel von Mimik und Gestik, wodurch sie beim Publikum ansatzweise Christoph vergegenwärtigt.

Sanfte Melancholie, Besinnlichkeit und Trauer, die Grundstimmungen des Films, werden gelegentlich von behutsam eingestreutem Humor aufgelockert. Dieser blitzt auf, wenn Liliane mit den kulturellen Besonderheiten des Landes oder der Offenheit der Einheimischen konfrontiert wird. Beispielsweise als sie unerwartet von einer Nachbarin auf ihre grosse Nase angesprochen wird oder wenn es beim Sprechen zum Durcheinander kommt. Dass der Regisseur die Provinz von Sichuan zum Schauplatz ausgewählt hat, ist nicht nur wegen der Schönheit der Landschaften, sondern vor allem in der Tatsache begründet, dass hier der Taoismus noch gelebt und zelebriert wird.eine

Der Weg ist das Ziel

Oft wird er schnell dahergesagt, selten jedoch mit Inhalt gefüllt, der Satz «Der Weg ist das Ziel.» Beim Film «Le Voyage en Chine» jedoch trifft er den Kern der Geschichte. Liliane macht sich auf den Weg nach China. Je länger sie reist, desto mehr stellt sie fest, dass sie ihren Sohn viel zu wenig kennt. Sie trifft ihren Sohn erst in der Leichenhalle, wo sie ihn zu identifizieren hat. Doch dann begegnet sie seiner Freundin Danjie, und diese erzählt ihr ausführlich aus ihrem Leben mit Christoph. Diese indirekten Begegnungen mit ihrem Sohn beruhigt sie.Krankenschwester in ihren Fünfzigern, reist zum ersten Mal in ihrem Leben-

Quelle: der-andere-film.ch




«Ich funktioniere wie Rapper Jay-Z»
Der Pianist während der Aufnahmen zur DVD «Lang Lang in Versailles» im Spiegelsaal. Foto: Sony Music



Der chinesische Starpianist Lang Lang über seine neuste DVD, Künstler im Frack und Heavy Metal, das wie Liszt klingt

Das Publikum, dass sich an diesem Sommerabend zur Aufzeichnung der DVD «Lang Lang in Versailles» in einem der unzähligen Säle der Palastanlage eingefunden hat, ist so exklusiv wie der Schaumwein, den die livrierten Kellner hier mit kühler Aufmerksamkeit ausschenken. Ein bunt gemischter Haufen der globalen Ober-oberschicht. Sie sind die Staffage für den neuesten Marketing-Coup des bekanntesten Pianisten der Welt: Lang Lang hat sich entschlossen, die DVD zu seiner neuesten Produktion «Lang Lang in Paris» im Spiegelsaal von Schloss Versailles zu drehen. «Wonderfull idea», flüstert eine asiatische Frau mit Collier.

Ich, der Journalist, habe hier nichts zu suchen. Von Chopin und Tschaikowsky verstehe ich so viel wie vom richtigen Verhalten beim Champagnernachschenken – nämlich nichts, wie mir einer der Livrierten mit einem zischenden «ne bougez pas» zu verstehen gibt, während aus dem Glas klebriger Champagner auf meinen aus der Mode geratenen Anzug tropft.

Das Konzert hört sich fantastisch an. Einen schlechten Lang Lang hätte ich nicht bemerkt. Wie viele seiner Fans auch nicht. Was ich allerdings bemerke, ist, wie sich diese bekannte chinesische Schauspielerin nach dem Konzert in der Gegenwart von Lang Lang wie ein nervöses Schulmädchen verhält. Beim Interviewtermin am nächsten Tag ist Lang Lang ein äusserst entspannter Interview-Partner.

Eine DVD-Aufzeichnung im Spiegelsaal von Louis XIV. Sind Sie der Sonnenkönig der klassischen Musik?
Lang Lang:
Als ich das Konzert gespielt habe, dachte ich auch kurz daran. Ein ziemlich cooler Gedanke (lächelt verschmitzt).

Wieso gerade an diesem Ort?
Als ich zum ersten Mal im Spiegelsaal von Versailles stand, war ich überwältigt. Er ist surreal: die Spiegel, die Kronleuchter, der Garten, schockierend schön. Deshalb wollte ich hier unbedingt ein romantisches Repertoire spielen.

Wie wichtig ist die Optik für Sie?
Ich bin ein visueller Mensch. Deshalb habe ich auch begonnen, DVDs zu produzieren. Mit der letzten DVD war ich nicht ganz zufrieden. Ich hätte mir mehr Kameraeinstellungen gewünscht. Also habe ich das Konzert in Versailles dreimal gespielt. Für diese Produktion hatten wir elf Stunden Filmmaterial.

Man wird das Gefühl nicht los, dass Sie sich in einem Steigerungslauf befinden, was die Extravaganz Ihrer Konzert-Location angeht.
Ich wollte in meiner Karriere zuerst in allen legendären Konzertsälen der Welt spielen: Carnegie Hall, Royal Albert Hall und so weiter. Als ich das erreicht hatte, ging es darum, spezielle Orte für Konzerte zu finden, wie das Schloss Schönbrunn, den Eiffelturm. Und was gibt es Spezielleres, als in der luxuriösesten Stube der Welt zu spielen? Was mir zusätzlich gefiel: Die Atmosphäre war intim.

Wie meinen Sie das?
Grosse Stadien, wie bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, sind toll. Die Atmosphäre saugt einen auf. Aber die Konzerte, an die ich mich am besten erinnere, auch was mein Spiel anbelangt, sind jene im intimen Rahmen. Du kannst jeden einzelnen Zuhörer spüren. Aber ich geniesse es auch, in ganz anderen Zusammenstellungen zu spielen, zum Beispiel bei den Grammy-Verleihungen mit Metallica oder mit dem grossartigen Pharrell Williams.

Hat Metallica musikalisch irgendetwas mit Chopin oder Tschaikowsky zu tun?
Metallica ist Heavy Metal. Das klingt eher wie Liszt. Oder Bartók.

Sie sagten einmal, «klassische Musik ist für jedermann». Nicht alle Kritiker teilen diese Meinung. Der «Stern» schrieb einst, der grösste Teil Ihrer Fans könne nicht einmal Dur von Moll unterscheiden. Ist Popularität in Ihrer Branche eine Hypothek?
Ich denke, die Welt der klassischen Musik hat sich geöffnet. Sehen Sie sich die CD-Covers früherer Tage an. Nur weisse oder schwarze Krawatten. Man hatte auszusehen, wie ein klassischer Musiker eben aussieht. Heute kann ich aussehen, wie ich will. Natürlich gibt es immer noch Puristen, aber wir leben in einer Social-Media-Welt, in der sich jeder Star auch natürlich zeigt. Die meisten klassischen Musiker, die ich kenne, sind nette, moderne Menschen und keine Nerds, die nur im Frack herumlaufen.

Sie treiben sich als Künstler immer weiter. Die Ideen werden immer extravaganter. Irgendwann erreichen Sie doch den Punkt, wo es nicht mehr weiter geht.
In der Kunst gibt es keine Grenzen. Mein nächstes Album wird musikalisch eher im Pop-Bereich liegen. Seal oder Sting werden darauf singen.

Welche Rolle spielt das Geschäft in Ihrer Kunst?
Eine wichtige. Ich funktioniere wie ein Sportstar oder wie Rapper Jay-Z. Wir suchen immer nach Synergien zwischen unserer Kunst und dem Geschäft.

Suchen Sie Perfektion?
Es geht mir nicht um Perfektion. Perfektion gibt es nicht, und es lohnt sich nicht, nach etwas zu streben, dass es nicht gibt. Ich will einfach das Beste herausholen und liebe es, auf der Bühne zu spielen.

Sie unterrichten in China selbst junge Pianisten. Weshalb?
Talente gibt es nicht nur in der ersten Welt, sondern auch in China und in Entwicklungsländern: in Lateinamerika, Indien und so weiter. Die Talente sind da. Aber es ist einfacher, Talente kaputtzumachen, als sie zu fördern. Deshalb brauchen wir bessere Schulen, bessere Lehrer. Darum geht es mir und meiner Stiftung.

Sie selbst hatten ein sehr angespanntes Verhältnis zu Ihrem Vater, weil er Sie schon als kleines Kind stark unter Druck setzte. War es nötig, so einen Vater zu haben?
Nein, ich denke, es war nicht nötig. Natürlich braucht es jemanden, der hart ist, weil man als Kind schlicht nicht immer üben will. Aber es gibt Grenzen. Es ist wie bei einem Gummi – wenn man zu stark daran zerrt, dann reisst er, oder er federt zurück. Mein Vater und ich haben einige Situationen erlebt, die eskalierten.

Der Star-Dirigent Nikolaus Harnoncourt sagt: Wahre Qualität entsteht in der Nähe der Katastrophe.
Er hat so recht. Man muss riskieren und darf keine Angst haben. Schauen Sie sich Formel-1-Fahrer an. Die sind fast alle gleich gut. Es gewinnt der, der eine Spur mehr Risiko eingeht. Aber es kann dich auch von der Strecke treiben . . . Kunst braucht Opfer, man muss sie in Kauf nehmen.

Apropos Opfer: Sie sind ohne Pause unterwegs. Wo sind Sie zu Hause?
Ich habe drei Häuser. In Peking, in New York und in Paris.

Sie verstehen mich falsch. Ich spreche vom Gefühl «Heimat».
Das Gefühl? (zögert). Ich bin im Herzen Chinese, aber Reisen fühlt sich wie Heimat an. Ich reise seit 18 Jahren permanent. In Paris war ich hundert Mal, in Berlin vielleicht dreihundert Mal.

Quelle: Benno Tuchschmid «Schweiz am Sonntag» 3.10.2015
Der Pianist während der Aufnahmen zur DVD «Lang Lang in Versailles» im Spiegelsaal. Foto: Sony Music












The Nightingale - ein Film von Philippe Muyl
mit Li Bao Tian, Li Xiao Ran, Qin Hao, Yang Xin Yi


Um seiner Frau ein gemachtes Versprechen zu erfüllen, macht sich der Bauer Quan in seine Heimatstadt Yangshuo auf.

Um seiner Frau ein gemachtes Versprechen zu erfüllten, bricht der chinesische Bauer Quan von Peking auf, um einen Vogel, der ihn jahrelang begleitet hat, in seine Heimatstadt Yangshuo zu bringen. Seine Schwiegertochter Chan bittet ihn, seine verwöhnte Enkelin Wei mit auf die Reise zu nehmen.

ZHIGEN löst das Versprechen ein, das er seiner Frau gemacht hat: Er kehrt in sein Heimatdorf zurück, um seinem Vogel die Freiheit zu geben, der sein einziger Freund im Alter war. Er wollte diese Reise allein machen, aber man vertraut ihm seine Enkelin RENXING an. Sie ist ein verhätscheltes Stadtkind, das gezwungen wird, mit ihm mitzugehen.

Auf der Reise zur Grenze des traditionellen China - inmitten einer prächtigen Landschaft - lernen sich diese zwei Menschen kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Sie teilen Erinnerungen und erleben zusammen Abenteuer. Das kleine Mädchen entdeckt neue Werte - vor allem jene des Herzens. Gedreht wurde der Film hauptsächlich in Peking sowie in der Provinz Guangxi in Yangshuo, Guilin und in der Nähe von Sanjiang in Dörfern der Dong-Minderheit.






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